Zum Auftakt der Tagungen von IWF und Weltbank in Bangkok beschrieb Kristalina Georgieva künstliche Intelligenz als einen Investitionsschub, der sich bereits im Wachstum zeigt. Asien profitiert dank seiner Stellung in der Hardware-Lieferkette besonders stark.

Die erste Dividende läuft über Beton, Chips und Strom

Die unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen von KI sind sehr greifbar: Rechenzentren, Halbleiter, Stromnetze, Kühlung und Rechenkapazität. Laut Kristalina Georgieva bedeutet diese Welle zugleich einen Nachfrage- und einen Investitionsschub.

In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften Asiens könnte sie das Wachstum um einen halben bis einen Prozentpunkt erhöhen, in den Schwellenländern der Region um 0,2 bis 0,8 Prozentpunkte. Das sind Schätzungen, keine garantierten Ergebnisse. In seinem am 13. Oktober veröffentlichten Ausblick prognostiziert der IWF ein Weltwachstum von 3,1 Prozent für 2026 und 3,4 Prozent für 2027. Das sind Prognosen, keine bereits erzielten Ergebnisse.

Warum Asien im Zentrum steht

Ein großer Teil der Wertschöpfungskette verläuft durch Asien: Bauteile, Montage, Speicher, Ausrüstung, Rechenzentren und digitale Infrastruktur. Ein Rechenzentrum benötigt auch Bauleistungen, Strom, Kühlung, Wartung und digitale Fachkenntnisse.

Dieser Impuls kann den Druck auf Energie, Flächen und Wasser verstärken. Der gesamtwirtschaftliche Gewinn bildet seine lokalen Kosten daher nicht vollständig ab.

Vierzig Prozent der Jobs könnten sich verändern

Nach Schätzungen des IWF könnten weltweit rund 40 Prozent der Arbeitsplätze durch KI im Laufe der Zeit aufgewertet, abgewertet, umgestaltet oder abgebaut werden. Die Zahl beschreibt die Betroffenheit; sie kündigt nicht den Wegfall von vier von zehn Stellen an.

Routineaufgaben lassen sich leichter automatisieren; andere Tätigkeiten werden produktiver. Laut IWF verlangt in fortgeschrittenen Volkswirtschaften bereits jede zehnte Stellenausschreibung mindestens eine neue Fähigkeit.

Kleine KI für konkrete Bedürfnisse

Weltbankpräsident Ajay Banga wirbt für gezielte, ressourcenschonende Systeme in Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung. Eine an lokale Sprachen und Daten angepasste KI kann nützlicher sein als ein riesiges Allzweckmodell.

Für eine Klinik oder einen landwirtschaftlichen Betrieb hängt der Nutzen von Zuverlässigkeit, Kosten und dem Betrieb bei eingeschränkter Verbindung ab, nicht von der Zahl der Parameter.

Das Risiko einer neuen Kluft

Länder mit viel Kapital, zuverlässiger Stromversorgung, Fachkräften und Daten sind besser aufgestellt. Eine ähnliche Kluft trennt große, investitionsfähige Unternehmen von kleinen Organisationen, die abwarten müssen.

Netze, Weiterbildung, Wettbewerb, Zugang zu Rechenleistung und Unterstützung für Beschäftigte werden bestimmen, wie breit sich die Gewinne verteilen. KI kann das Wachstum stützen; ihre Vorteile verteilt sie nicht von selbst.